Niederhausen
(Nahe) 9./10. Mai 2009.
Am Samstagmorgen
tröpfelten gegen acht Uhr die ersten gut gelaunten Jugendlichen und
jung gebliebenen am Bootshaus mit Gepäck und Verpflegung ein.
Das Gepäck, Isomatten und was sonst noch gebraucht wurde, fand schnell
seinen Weg in die Autos. Nach intensiven Wiederbelebungsmaßnahmen
eines gewissen M.T. von Seiten der Fahrtenleitung und einer kurzen
Einkaufsorder (Frühstück/Abendessen - Geld her!), sowie einem telefonatreichen
Fußballspiel auf der Rheinstraße rollte die NRG-Karawane vom Hof in
Richtung Stausee Niederhausen, wo wir gegen halb zehn von Ralf Börder,
unserem Insider in Sachen Rudertechnik erwartet wurden.
Der ehrgeizig gesetzte Zeitplan war zu diesem Zeitpunkt natürlich
längst nicht mehr zu halten J . Nach einer unspektakulären Fahrt und
einem viel zu laschen Kaffee aus einer namenhaften Schnell-Restaurant-Kette
erreichten wir das Ruderrevier des RKV Bad Kreuznach, das schon oft
Ziel von Lehrgangsteilnehmern aus unserem Verein gewesen ist.
Kaum zum Stehen gekommen, entdeckte Herr M.T. die Vorzüge der frisch
gemähten Wiese zu Ausnüchterungszwecken für sich und begann genüsslich
zu Grasen ... möööööhh! Die verbliebenen sechs ruderwilligen NRGler
gaben sich sogleich ans Auspacken der funkel-nagel-neuen Empacher-Rennskulls,
die in Zukunft zu dem 2x+ Leipzig gehören werden.
Ralf Börder wies uns zwei ehemalige Rennboote aus DDR-Beständen zu,
die in guten Zustand und für unsere Zwecke mehr als ausreichend waren,
so dass Sie gravierende Mängel in unserer Rudertechnik schonungslos
ans Tageslicht brachten.
Nach einer Aufwärmrunde in den für uns völlig unbekannten Booten startete
Ralf Börder umgehend mit den Filmaufnahmen und ersten Korrekturen,
die bei Beachtung ihre Wirkung nicht verfehlten. Nach 15 Kilometern
genehmigten wir uns eine fast zweistündige Mittagspause, in der wir
verbrauchte bis gar nicht mehr vorhandene Kraftreserven auffüllten.
Um den Kreislauf anschließend nicht zu überfordern, begann die zweite
Hälfte des Tages mit einer eingehenden Analyse des produzierten Filmmaterials,
welches die angereisten Ruderer teils in Erstaunen bis zur wortlosen
Fassungslosigkeit (im Zehntelsekundenbereich) führte.
Schnell wurden Mängel in Körperhaltung, Wasserarbeit und Rollverhalten
der Mannschaften ausgemacht. Genialer Weise war durch Zufall ein ausgebildeter
Physiotherapeut im Raum, der sich eines Härtefall annahm und gezielt
nützliche Tipps und Übungen zur Muskulaturstärkung gab, um dieser
Ausnahme auch in Zukunft ein gesundes und schmerzfreies Rudern zu
ermöglichen.
Danach ging es gleich wieder mit den Booten zu Wasser um Gesehenes
besser zu machen als zuvor. Gegen Abend konnte man nun erstmals auch
unter dem Standpunkt eines Trainers von Mannschaften sprechen, die
gemeinsam ein Boot rudern.
Nachdem die Boote gereinigt und mit letzten Kräften auf die Nachtlager
in der Halle gebracht worden waren, begann der gesellige Teil des
Abends mit Abendbrot und einem gestifteten Heinecken-Fässchen. Pokerspiel
(ohne Geldeinsatz) und Kissenschlacht-Diskussionen rundeten das Abendprogramm
gelungen ab.
Am nächsten Morgen war die Begeisterung wie üblich groß, als der Wecker
zum Aufstehen mahnte. Jedoch verfehlten die Rufe: "Frühstück is fertig"
und "Kaffee!" ihre Wirkung nicht und schon einen halbe Stunde später
saßen alle Kursteilnehmer am Frühstückstisch, um zu merken, dass es
weder Kaffee noch Kakao gab, dafür aber Tee J . Das Frühstück konnte
dann gegen kurz vor neun unter Protest aufgelöst werden, und mit nur
wenig Verspätung (5 Minuten!!!!) mit der Videoanalyse begonnen werden.
Eine deutliche Steigerung eines jeden Einzelnen wurde deutlich sichtbar
und eingehend besprochen. Anschließend wurden die Mannschaften neu
aufgeteilt. Der mit Begeisterung gesegnete Teilnehmer C.P. fiel einer
tückischen Sehnenscheidenentzündung zum Opfer (übrigens eine Folge
zu harten Trainings mit zu wenig Ruhepausen nach dem Wettkamp EuReGa
(!)) und wurde von dem wieder nüchternen M.T. würdevoll vertreten.
C.P. wollte sich im Übrigen nicht mit seiner Defektiosität abfinden,
sondern putzte derweil mit der linken Hand den Aufenthaltsraum des
Bootshauses. Seiner Meinung nach müsse der linke Arm nicht geschont
werden, da dieser vollkommen gesund sei. Der Dank seiner Kameraden
war ihm für diese Heldentat auf jeden Fall sicher.
Die letzte Trainingeinheit wurde von allen Teilnehmern genutzt, um
in teils veränderten Bootsplätzen Erlerntes oder Verbessertes zu festigen
und auszubauen. Auch hierbei war den Teilnehmern Spaß und Engagement
anzumerken. Gegen halb zwei nachmittags legte dann das letzte Boot
nach einer letzten Schwanattacke unversehrt an und widmete sich pflichtbewusst
der Pflege sozialer Kontakte bei Fußballspiel und Böckedurchsitzen.
Nach einer halben Stunde ging es dann dem mittlerweile auf den Booten
getrocknetem Dreck mit Spülwasser an den Kragen. Der Anhänger wurde
"beladen" und das Bootshaus aufgeräumt, in der Hoffnung, dass die
Reinigungskosten in diesem Jahr NICHT die Übernachtungskosten übersteigen.
Gegen halb vier war der Convoy auf dem Weg nach Hause und gegen kurz
vor sechs alle Boote und Einzelteile ordnungsgemäß im Neuwieder Bootshaus
eingelagert. Erwähnenswert erscheinen mir im Nachhinein der erste
Sonnenbrand der Saison und die Tatsache, dass außer einem Glas im
Bootshaus in Niederhausen auf dieser Jugendveranstaltung nichts kaputt
gegangen ist.
Der Lehrgang hat jedem einzelnen Teilnehmer außerordentlich viel gebracht,
aber auch dem Gefüge in der Jugendabteilung neuen Schwung verliehen.
Ich hoffe, den Lehrgang im nächsten Jahr nochmals anbieten zu können,
wenn möglich mit Unterstützung von Ralf Börder und dem RKV Bad Kreuznach.
Allen Teilnehmern, Ralf Börder als Vertreter des Ruderverbandes Rheinland
und dem RKV Bad Kreuznach möchte ich für Engagement, Bootsmaterial,
Dach über dem Kopf und einfach eine schöne wie lehrreiche Zeit sehr
herzlich danken!
- Adrian Zenger -
Kurs-Teilnehmer:
Holger Scheid, Aman Abbas, Christoph & Tobias Plotzki, Matthias Laupichler,
Marvin Trümper, Adrian Zenger