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20. AH Wanderfahrt 2004
Masuren



(Text von Rolf Petry, Fotos von Franklin Fleischhauer)

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Neuwied, 07.06.2004





Der Traum unseres langjährigen Fahrtleiters Albert Langert war, einmal über masurische Seen zu rudern. Viel Arbeit steckte schon in diesem Projekt, als er durch Krankheit schweren Herzens absagen mußte. Sein Mitstreiter, Wolfgang Geiß setzte aber die Vorbereitungen fort, wobei er in Jochen Rauwolf eine tatkräftige Unterstützung fand..

Nachdem die in Wilkasy stationierten Ruderboote zwischenzeitlich von 3 Arbeitsgruppen restauriert wurden, an denen sich maßgeblich auch das Werkstatteam der Neuwieder Ruder-Gesellschaft beteiligt hatte, starteten am 07. Juni 20 AHs mit "Germanair" von Köln nach Warschau, um mit einem gecharterten Bus, der uns bei allen Ruderfahrten begleitete, in 4 Stunden nach Wilkasy zu fahren. Die Unterkunft im dortigen Country Hotel ließ keine Wünsche offen.

1. Rudertag. Mit 4 Vierern auf dem Hänger, den ein zusätzlicher Bulli des Busunternehmers zog, ging es zum Startplatz am "Goldopiwo" See, den Herbert Scheid "Goldbiersee" nannte. Piwo heißt das Bier auf polnisch. Beim Boote aufriggern könnte man noch mehr 10er Schlüssel gebrauchen. Das muß noch geübt werden, wird gefrotzelt.
Noch war es Windstill, als wir vom Ufer ablegten. In der Mitte des Sees änderte sich das. Wind kam auf und die Schaumkronen wurden allmählich immer größer. Das Rudern auf einem See ist doch etwas anderes als auf dem Rhein, dachten einige ängstlich. Wir erreichten aber alle ohne Probleme das andere Ufer. Schilf, soweit das Auge reichte und die Suche nach dem Eingang zur "Sapina", einem schmalen Fluß, kostete uns viel Zeit. Mühsam bahnten wir uns mit Paddelhaken einen Weg durch den Schilfgürtel bis, wie aus dem Boden gestapft, die Schleuse vor uns auftauchte. Darius, unser polnisch sprechender Mitruderer, bewährte sich nicht nur hier als Dolmetscher.

Da alle 4 Boote in die Kammer paßten, war das Hindernis schnell überwunden und wir erlebten eine völlig der Natur überlassenen Wasserlandschaft. Kristallklares Wasser schlängelte sich in engen Windungen durch einen Urwald. Die Aufmerksamkeit der Steuerleute richtete sich besonders auf die im Wasser liegenden, umgestürzten Bäume, die wie Krokodile im Wege lagen. Immer wieder klang es aus den Booten: "Ah, wie toll, phantastisch, wunderschön". Mit der Einfahrt in den "Wilkus" See war die Fahrt durch den Dschungel zunächst zu Ende. Der Himmel verfinsterte sich, Sturm kam auf und es entlud sich ein Wolkenbruch, daß das Wasser über die Bodenbretter stieg. So plötzlich wie das Unwetter kam, so schnell war es auch wieder vorbei und die Sonne wärmte und trocknete.

Von beiden Ufern des Sees wucherte der Schilf wieder so nah an die Boote, daß an ein normales Rudern nicht mehr zu denken war. Wieder in der "Sapina" ging es 2 Km in südlicher Richtung, und im See "Pozezdrze" wieder nach Norden. Die nun folgende 5 Km lange Strecke der "Sapina" wechselte mit Schilfgürtel und Urwald. Ich würde die gerne noch mal fahren, aber dann, zusätzlich pro Mann mit einem Paddelhaken ausgerüstet.

Für den Nachmittag war eine Besichtigung in Goldap vorgesehen, wo ein Neuwieder Werk eine Zweigniederlassung hat. Als wir aber am Ende des Dschungels vor der Einfahrt zum See "Stregiel" die vom Sturm aufgewühlten hohen Wellen entdeckten, war uns klar, hier ist für heute Schluß. Die Boote holten wir aus dem Wasser und es folgte ein 2 Km langer Fußmarsch zu einer Straße, wo wir den herbeigerufenen Bus erwarteten. Mit etwas Verspätung kam er dann auch, es war inzwischen 3 Uhr und um diese Zeit erwartete man uns in Goldap. Das wäre alles nicht so schlimm gewesen, wenn nicht der Bus seinen Geist aufgegeben hätte. Per Handy wurde ein Ersatzbus bestellt, der in einer halben Stunde dasein sollte. Es wurden aber 3 Stunden daraus. Polnische Stunden dauern eben etwas länger, scherzte man, denn die gute Laune blieb erhalten. Nur einer saß auf heißen Kohlen. Das war Schorsch Jungblut, der dieses Meeting arrangiert hatte. Er hat in der Zeit sicher 6 mal telefoniert und die ständig wachsende Verspätung entschuldigt. Schließlich mußte das Ganze doch abgesagt werden. Es wäre bestimmt ein schönes Fest geworden, denn es war neben einer Werksbesichtigung auch ein Nachmittagskaffee und ein Grillabend vorgesehen.

 

 

2. Rudertag. Bei der Überquerung des "Stregiel" Sees , mit der anschließenden Passage in den "Swiecajty" See, hatten wir glattes Wasser. Die Buchten am südlichen Ufer des "Jezioro Swiecajty", wie der See auf polnisch heißt, ruderten wir aus, um das Loch zum "Mamrysee" nicht zu verpassen. In einem winzigen Fischereihafen gleich am Anfang der Mamrysees machten wir die Boote fest und nach einem kleinen Fußmarsch erreichten wir die Ortschaft Kal, wo uns eine freundliche Wirtin 2cm dicke Pizzas servierte, die wir mit viel wohlschmeckendem polnischen Bier gut herunterspühlen konnten. Am Tagesziel "Wegorzewo" (Angerburg) erwarteten uns Bus und Bulli mit dem Hänger. Abriggern und Verladen klappte schon viel besser.

3. Rudertag. Die Fahrtleitung überraschte uns mit einer ca. 100 Km langen Fahrt zum "Jezioro Nidzkie", einem im Halbkreis langgezogenen See, der in "Nida" endet. In einer abenteuerlichen Fahrt über schmale Waldwege fanden wir eine Einstiegstelle in einer Lichtung an einem Anglersteg. Abladen, aufriggern einsetzen und nach Möglichkeit zusammen bleiben. Obwohl in jedem Boot ein Handy war, klappte die Verbindung nicht immer. Entweder nicht eingeschaltet, oder zu tief im Seesack, oder der Ruf wurde im Palaver überhört. Es wäre sicher auch ohne gegangen, denn verfahren konnte man sich nicht. Zu beiden Seiten des Sees erstreckte sich ein riesiges Waldgebiet, das uns den Wind abhielt. Bevor wir an der Marina "Daza" zur Mittagspause festmachten, konnten wir uns gerade noch vor einem Regenschauer unter schützende Bäume retten. Das war auch eine günstige Gelegenheit um Dünnsäure zu verklappen, denn Anlegemöglichkeiten waren selten. Keine große Kilometerleistung hatten wir an diesem Tag, aber ein eindrucksvolles, landschaftliches Erlebnis. In der Marina von "Ruciane-Nida" durften wir die Boote im Wasser lassen.

4. Rudertag. Wenn auch die Fahrt mit dem Bus vom Hotel zu den Booten lang war, wir genossen die einmalig schöne Landschaft, in der unter Anderem auch unzählige Störche brüteten und auf den Feldern Futter suchten für ihren Nachwuchs. Der 4. Tag sollte uns noch einen besonderen Leckerbissen der Seen und Flußlandschaft bieten. Vor der Schleuse "Guzianka" mußten wir lange warten weil ein Fahrgastschiff der Vorrang hatte. Aber dann fuhren noch einige Segelyachten hinter uns in die Kammer, deren Wände schräg waren. Unten angekommen war es schließlich ziemlich eng. Auf dem "Beldany" See begegneten wir unzähligen Segelbooten, die mit ihren weißen Segeln und dem traumhaften Hintergrund ein dankbares Fotomotiv boten. Die Mittagspause auf dem Campingplatz "Kamien" dauerte etwas zu lang. Aber der Durst einiger Ruderer mußte zuerst gelöscht werden, bevor es wieder in die Boote ging. Die letzten Kilometer bescherte uns mit dem Fluß "Krutynia" noch einen Leckerbissen besonderer Art. In vielen Windungen, mitunter von kleinen Seen unterbrochen schlängelte sich der Fluß durch eine Urwaldlandschaft. Den vielen Kanufahrern, die uns begegneten konnte man oft nur mit Mühe ausweichen. Große Probleme gab es allerdings nicht, nur quälte einige das letzte Bier und Anlegemöglichkeiten waren auch hier sehr selten. In "Nowy Most" erwartete und der Landdienst mit Bus und Bulli. Abriggern und verladen waren inzwischen Routinesachen.

5. und letzter Tag. Wir gingen nur mit 3 Booten aufs Wasser, weil einige die Wallfahrtskirche Heiligelinde besuchen wollten. Es war nur eine kleine Fahrt in den "Tajtysee" vorgesehen, weil wir gegen Mittag den neuen Standort für die Ruderboote in Masuren besichtigen wollten Dieser liegt unmittelbar vor dem Eingang zum Kanal Gizycki, der durch Gizycko (Lötzen) verläuft. Der neue Standort ist ein Glücksfall, denn er liegt in einer gepflegten Parkanlage in ruhigem Gewässer geschützt durch vorgelagerte Inseln. 2 lange Stege ermöglichen ein bequemes anlegen, als ob sie für Ruderer gemacht wären.

Auf dem Heimflug von Warschau, bei strahlendem Wetter, gingen unsere Gedanken noch mal zurück an die erlebnisreiche Wanderfahrt in dem wunderschönen Land Masuren. Der Eine oder Andere wird sicher irgendwann noch mal hierhin zurückkommen.

Rolf Petry


 

 

 




 




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