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"Selten kann man so gut schlafen, wie nach einer Seeumrundung ..."
(von Andreas Laser)
Alle
Jahre wieder versammelt sich die Gilde der Langstreckenruderer in Genf
zur "Tour du Léman", um ihrem abartigen Hobby zu frönen. Und
im Jahr 2002 waren wieder viele bekannte Vereine und Gesichter am Start.
Hinzu kamen einige Neulinge, die sich der Herausforderung, 155 km um den
Genfer See zu rudern, stellen wollten.

Wie erstmals 1980 und seit 1984 jedes Jahr waren auch dieses mal wieder
Ruderer der Neuwieder Ruder-Gesellschaft am Start. Zum einen eine die
fast reine Vereinsmannschaft mit Holger Scheid,
Jan Heineck, Volker Loose, Watz Laser und Nico Federmann
(RCG Düsseldorf) die für die NRG starteten und zum anderen
André Gerlach, der für die Renngemeinschaft Koblenz/ Neuwied antrat.
Nachdem im letzten Jahr nur neuen Mannschaften am teilnahmen, was sicher
auch eine Folge der Terroranschläge in den USA war, gingen dieses Jahr
22 Vierer mit Steuermann ins Rennen. Aber nicht nur die Teilnehmerzahl
war erfreulich, sondern auch die im Vergleich zu den Vorjahren etwas ausgeglichenere
Besetzung der Mannschaften.
Neben der Mannschaft von André starteten auch mehrere andere starke Teams
mit Siegchancen; das Rennen versprach spannend zu werden.
Die
NRG-Mannschaft gehörte leider nicht zu den Top-Favoriten, da sie wie das
für die Mannschaften von Watz seit über 10 Jahren leider üblich ist, noch
nie vorher in dieser Besetzung auf's Wasser gegangen ist. Entgegen dem
äußeren Schein einer einheitlichen Vereinsmannschaft wohnen die Ruderer
doch über die Republik verteilt (Dresden, Leipzig, Zeuthen, Düsseldorf
und Anhausen).
Wie in den Jahren davor war es auch dieses Mal wieder die Aufgabe, fünf
individuelle Ruderstiele zu einem einheitlichen Rhythmus zu vereinen.
Doch Wille und Kampfgeist war bei allen Fünfen vorhanden und so lief das
Boot erstaunlich gut, die Wechsel gingen zügig, die Kraft lies nur in
dem unvermeidbaren Maß nach und vor Allem die Stimmung war bis zum Ziel
noch optimistisch.
Viele
Ruderer reisen Donnerstags abends oder in der Nacht zum Freitag an. Von
den NRG'lern musste nur Volker am Freitag Nachmittag mit dem Zug nachkommen.
Für die Übernachtungen sind Betten in Luftschutzbunkern organisiert. Obwohl
die Belegung im Vergleich zur Maximalkapazität bei einem Ernstfall doch
recht gering ist, kommt schon ein gewisses Bunker-Feeling auf: Es mangelt
an Sitzplätzen, die Toiletten oder die Duschen sind öfter besetzt, man
weis nicht ob es drausen hell ist, und wenn nur einer der 20 Ruderer im
gleichen Schlafsaal schnarcht, haben alle was davon.
Das Bunker-Feeling gehört natürlich zu Genf wie das lustige Treiben am
Freitag am Sattelplatz. Hier ist die Langstrecken-Community in ihrem Element:
die Boote werden aufgeriggert, Abdeckungen gebaut und verklebt, Ausleger
abgeklebt, um das Spritzwasser zu verringern, Lampen für die Nachfahrt
montiert, Dollen und Rollsitze mit Hightech-Sprays ihrer Reibung beraubt,
Elektropumpen installiert, Innenhebel und Dollenhöhen vermessen, Sitzkissen
aus Isomatten geschnitten, mineralhaltige Getränke gemixt, über die vergangenen
Regatten wird berichtet, die Zukünftigen werden geplant, hoch und tief
wird gestapelt und Vieles, Vieles mehr.
Obwohl das NRG-Team schon oft mit der Montreux auf Regatta war, ist immer
wieder einiges aufzubauen und zu besprechen.
Freitag Abends gibt es dann einen Empfang bei der Société Nautique de
Genève, dem ausrichtenden Verein. Dann kehrt langsam Ruhe ein, denn der
nächste Tag wirft seine Schatten voraus.
Start
war am Samstag den 21. September um 9:05h, 22 Vierer steuern auf Genf
zu. Die Knüppelei bis zur ersten Wendeboje nach einem Kilometer ist nicht
so extrem wie in den Jahren zuvor. Nach einer scharfen Rechtskurve geht
es in Richtung Norden auf den nächsten Kontrollpunkt Versoix zu. Hier
kristallisiert sich schon eine Spitzengruppe geführt von der Renngemeinschaft
Koblenz/Neuwied heraus. Das NRG-Team positioniert sich im vorderen Mittelfeld.
Hinter dem nächsten Kontrollpunkt Nyon verlassen die Boote den 4km breiten
Schlauch an der Genfer Seite des Sees, der Lac Leman wird über 10km breit.
Ab hier gibt es kein nahes Ufer mehr, das die von Osten her auflaufenden
Wellen abhalten könnte und dieses Jahr wurde es auch etwas unruhig.
Aufgrund der guten Vorbereitung und nicht zuletzt auch wegen der Rheinerfahrung
kommen die Neuwieder aber gut mit den Wasserverhältnissen zurecht.
Bei Rolle nach 33 km ist eine sehr schön gelegene Insel innen zu umrunden,
dann geht es über Morges nach Lausanne (54 km) und in der Zwischenzeit
ist der See auch wieder ruhiger gewroden. Für den Rest der Regatta herrschten
damit optimale Ruderbedingungen: ruhiges Wasser, kein Regen und nicht
zu warm und nicht zu kalt.
Über Rivaz und Montreux geht es nach Villeneuve in die hinterste Ecke
des Sees. Hier ist nach 84 km eine romantische kleine Insel zu umrunden
bevor es vorbei an der Rhone-Mündung und einem weiteren Kontrollpunkt
auf die Heimreise geht.
Das Feld hatte sich bis dahin bereits auf drei Stunden gezogen. Die erste
vier Boote waren aber immer noch weniger als sieben Minuten voneinander
entfernt. Während Andrès Mannschaft führte lag das NRG-Team an siebter
Position.
Vorbei an Evian geht es zur "Schweinebucht". So heißt die große Bucht
vor Thonon unter den Langstreckenruderern. Bis 1989 durfte sie von den
Ruderbooten noch gekreuzt werden ein anspruchsvolles nautisches Manöver,
bei dem einige auf Abwege geraten sind und auch schon manches Ruderboot
vollgeschlagen ist. Das brachte der Bucht ihren Namen ein.
Heute gibt es einen Kontrollpunkt im tiefsten Winkel, was nach 127 KM,
wenn alle endlich zurück wollen, nicht weniger schweinisch ist.
Auch wird es hier für die meisten Mannschaften dunkel. Die Boote sind
mit Blinklichtern ausgestattet und damit erscheinen Gegnerische Mannschaften
häufig näher als in der Dämmerung. Und oft gelingt es in dieser Bucht
noch einen Platz gut zu machen. In diesem Jahr mussten aber beide Boote
mit Neuwieder Beteiligung um Ihren Platz kämpfen.
Der Ludwigshafener Riemenvierer rückte Platz um Platz vor und war an zweiter
Postition mit abnehmendem Abstand zur führenden Renngemeinschaft Koblenz/Neuwied.
Die NRG-Mannschaft lag in der Schweinebucht wenige Minuten vor einem Vierer
der Genfer Gastgeber.
Vorbei an Yvoire ging es zurück in den Genfer Schlauch. 23 km noch, das
sollte eigentlich kein Problem sein aber auf diese Stück ist es dunkel,
es gibt wenig markante Lichter und es zieht und zieht sich. Mit einem
Verfolger im Nacken muss man auch die Wechsel noch schnell ausführen;
alle wünschen sich Genf herbei.
Endlich, erst hinter der letzten Landzunge sieht man die hell erleuchtete
Stadt, das Ziel ist zum Greifen nahe und jetzt sind es auch nur noch 5
km, die allerletzten Reserven werden mobilisiert.
Ein helles weißes Blinklicht vorm Hafen der Société Nautique de Genève
begrenzt die Ziellinie. Die Renngemeinschaft Koblenz/Neuwied gewinnt in
einer Zeit von 13h14min. Drei Minuten später läuft der Ludwigshagfener
Riemenvierer als zweites Boot ein und noch mal fünf Minuten später eine
Mixed-Mannschaft aus Karlsruhe/Bonn/Breisbach/Budapest. Auch danach ist
das Verfolgerfeld noch eng. Das NRG-Team konnte den siebten Platz auf
den verteidigen und kommt nach 14h10min in Genf an, eine sehr gute Zeit
und eine gute Platzierung für unsere Mannschaft.
Völlig
geschafft kriechen die Ruderer aus dem Boot. Endlich wieder an Land. Jetzt
noch das Boot raus; zum Glück gibt's Unterstützung. Nichts wie unter die
warme Dusche.
Danach geht es schon wieder etwas besser. Der Genfer Verein spendiert
ein Nachtessen: Suppe und Spaghetti. Holger, Volker, Jan, Nico und Watz
stoßen auf das erfolgreiche Rennen an. Nach vielen Bieren und langem Feiern
ist aber keinem. Alle wollen schnell zurück in den Bunker.
Das Geschnarche vom Bett nebenan stört in dieser Nacht nicht mehr, selten
kann man so gut schlafen wie nach einer Seeumrundung.
Am nächsten Morgen gegen gegen Neun, eigentlich viel zu früh, kehrt Leben
in den Bunker zurück. Um 12h ist die Siegerehrung und bis dahin hat man
die Boote am besten verladen. Dennoch geht es ruhig zu.
Da bei der NRG nur Profis am Werk sind, ist das, was man am Freitag in
einem halben Tag aufgebaut hat in weniger als einer halben Stunde wieder
beseitigt: Abdeckungen und Pumpen abbauen, verpacken und verladen, Klebebänder
entfernen, abriggern, Skulls Böcke und zuletzt das Boot verladen, alles
läuft wie geschmiert.
Großen
Applaus und eine ZInnkanne gibt es für das Sieger aus Koblenz und Neuwied
mit André von der NRG. Aber auch die anderen Mannschaften werden fleißig
beklatscht.
Den Genfer See an einem Stück zu umrudern ist auf jeden Fall eine beachtliche
Leistung. Die Zinnbecher, die jeder Ruderer erhält, der ins Ziel kommt,
ist eine hart erarbeitete und sehr begehrte Trophäe. Das NRG-Team hat
eine klasse Zeit und ein guten Platz errudert.
2003 steht hoffentlich mal wieder eine Zeit mit einer 13 am Anfang auf
dem Programm.
ZIELEINLAUF
2002:
1) RGM Koblenz/Neuwied 13h14
2) Luwigshafener RV 13h17
3) RGM Karlsruhe/Bonn/Breisbach/Budapest 13h22
4) C.N Charleville-Mezières 13h38
5) A.S Crédit foncier de France 13h46
6) C.A. Thonon 14h05
7) Neuwieder Ruder-Gesellschaft 1883 14h10
8) Société Nautique de Genève 14h11
9) Düsseldorfer Ruderverein 14h39
10) ASUL Aviron Lyon 1 15h15
11) E.R.V. Beatrix 15h30
12)
Bamberger Rudergesellschaft 15h57
13) Koelner Rudergesellschaft 16h14
14) C.A. Vevey 16h44
15) R.V. Nautilus 16h46
16) R.V. Paedagogium Godesberg 16h52
17) RGM Bremer RV/RG Wiesbaden-Biebrich 17h21
18) ASUL Aviron Lyon 2 17h42
19) C.A. Lyon 17h57
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