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Genfer Rudermarathon 2002
Fünf NRG-Marathonruderer in Genf mit bemerkenswerten Leistungen



Neuwied, 21.09.2002


"Selten kann man so gut schlafen, wie nach einer Seeumrundung ..."
(von Andreas Laser)


Alle Jahre wieder versammelt sich die Gilde der Langstreckenruderer in Genf zur "Tour du Léman", um ihrem abartigen Hobby zu frönen. Und im Jahr 2002 waren wieder viele bekannte Vereine und Gesichter am Start.
Hinzu kamen einige Neulinge, die sich der Herausforderung, 155 km um den Genfer See zu rudern, stellen wollten.



Wie erstmals 1980 und seit 1984 jedes Jahr waren auch dieses mal wieder Ruderer der Neuwieder Ruder-Gesellschaft am Start. Zum einen eine die fast reine Vereinsmannschaft mit Holger Scheid, Jan Heineck, Volker Loose, Watz Laser und Nico Federmann (RCG Düsseldorf) die für die NRG starteten und zum anderen André Gerlach, der für die Renngemeinschaft Koblenz/ Neuwied antrat.

Nachdem im letzten Jahr nur neuen Mannschaften am teilnahmen, was sicher auch eine Folge der Terroranschläge in den USA war, gingen dieses Jahr 22 Vierer mit Steuermann ins Rennen. Aber nicht nur die Teilnehmerzahl war erfreulich, sondern auch die im Vergleich zu den Vorjahren etwas ausgeglichenere Besetzung der Mannschaften.
Neben der Mannschaft von André starteten auch mehrere andere starke Teams mit Siegchancen; das Rennen versprach spannend zu werden.


Die NRG-Mannschaft gehörte leider nicht zu den Top-Favoriten, da sie wie das für die Mannschaften von Watz seit über 10 Jahren leider üblich ist, noch nie vorher in dieser Besetzung auf's Wasser gegangen ist. Entgegen dem äußeren Schein einer einheitlichen Vereinsmannschaft wohnen die Ruderer doch über die Republik verteilt (Dresden, Leipzig, Zeuthen, Düsseldorf und Anhausen).
Wie in den Jahren davor war es auch dieses Mal wieder die Aufgabe, fünf individuelle Ruderstiele zu einem einheitlichen Rhythmus zu vereinen. Doch Wille und Kampfgeist war bei allen Fünfen vorhanden und so lief das Boot erstaunlich gut, die Wechsel gingen zügig, die Kraft lies nur in dem unvermeidbaren Maß nach und vor Allem die Stimmung war bis zum Ziel noch optimistisch.


Viele Ruderer reisen Donnerstags abends oder in der Nacht zum Freitag an. Von den NRG'lern musste nur Volker am Freitag Nachmittag mit dem Zug nachkommen. Für die Übernachtungen sind Betten in Luftschutzbunkern organisiert. Obwohl die Belegung im Vergleich zur Maximalkapazität bei einem Ernstfall doch recht gering ist, kommt schon ein gewisses Bunker-Feeling auf: Es mangelt an Sitzplätzen, die Toiletten oder die Duschen sind öfter besetzt, man weis nicht ob es drausen hell ist, und wenn nur einer der 20 Ruderer im gleichen Schlafsaal schnarcht, haben alle was davon.
Das Bunker-Feeling gehört natürlich zu Genf wie das lustige Treiben am Freitag am Sattelplatz. Hier ist die Langstrecken-Community in ihrem Element: die Boote werden aufgeriggert, Abdeckungen gebaut und verklebt, Ausleger abgeklebt, um das Spritzwasser zu verringern, Lampen für die Nachfahrt montiert, Dollen und Rollsitze mit Hightech-Sprays ihrer Reibung beraubt, Elektropumpen installiert, Innenhebel und Dollenhöhen vermessen, Sitzkissen aus Isomatten geschnitten, mineralhaltige Getränke gemixt, über die vergangenen Regatten wird berichtet, die Zukünftigen werden geplant, hoch und tief wird gestapelt und Vieles, Vieles mehr.
Obwohl das NRG-Team schon oft mit der Montreux auf Regatta war, ist immer wieder einiges aufzubauen und zu besprechen.

Freitag Abends gibt es dann einen Empfang bei der Société Nautique de Genève, dem ausrichtenden Verein. Dann kehrt langsam Ruhe ein, denn der nächste Tag wirft seine Schatten voraus.




Start war am Samstag den 21. September um 9:05h, 22 Vierer steuern auf Genf zu. Die Knüppelei bis zur ersten Wendeboje nach einem Kilometer ist nicht so extrem wie in den Jahren zuvor. Nach einer scharfen Rechtskurve geht es in Richtung Norden auf den nächsten Kontrollpunkt Versoix zu. Hier kristallisiert sich schon eine Spitzengruppe geführt von der Renngemeinschaft Koblenz/Neuwied heraus. Das NRG-Team positioniert sich im vorderen Mittelfeld. Hinter dem nächsten Kontrollpunkt Nyon verlassen die Boote den 4km breiten Schlauch an der Genfer Seite des Sees, der Lac Leman wird über 10km breit.
Ab hier gibt es kein nahes Ufer mehr, das die von Osten her auflaufenden Wellen abhalten könnte und dieses Jahr wurde es auch etwas unruhig.
Aufgrund der guten Vorbereitung und nicht zuletzt auch wegen der Rheinerfahrung kommen die Neuwieder aber gut mit den Wasserverhältnissen zurecht.

Bei Rolle nach 33 km ist eine sehr schön gelegene Insel innen zu umrunden, dann geht es über Morges nach Lausanne (54 km) und in der Zwischenzeit ist der See auch wieder ruhiger gewroden. Für den Rest der Regatta herrschten damit optimale Ruderbedingungen: ruhiges Wasser, kein Regen und nicht zu warm und nicht zu kalt.

Über Rivaz und Montreux geht es nach Villeneuve in die hinterste Ecke des Sees. Hier ist nach 84 km eine romantische kleine Insel zu umrunden bevor es vorbei an der Rhone-Mündung und einem weiteren Kontrollpunkt auf die Heimreise geht.
Das Feld hatte sich bis dahin bereits auf drei Stunden gezogen. Die erste vier Boote waren aber immer noch weniger als sieben Minuten voneinander entfernt. Während Andrès Mannschaft führte lag das NRG-Team an siebter Position.


Vorbei an Evian geht es zur "Schweinebucht". So heißt die große Bucht vor Thonon unter den Langstreckenruderern. Bis 1989 durfte sie von den Ruderbooten noch gekreuzt werden ein anspruchsvolles nautisches Manöver, bei dem einige auf Abwege geraten sind und auch schon manches Ruderboot vollgeschlagen ist. Das brachte der Bucht ihren Namen ein.
Heute gibt es einen Kontrollpunkt im tiefsten Winkel, was nach 127 KM, wenn alle endlich zurück wollen, nicht weniger schweinisch ist.
Auch wird es hier für die meisten Mannschaften dunkel. Die Boote sind mit Blinklichtern ausgestattet und damit erscheinen Gegnerische Mannschaften häufig näher als in der Dämmerung. Und oft gelingt es in dieser Bucht noch einen Platz gut zu machen. In diesem Jahr mussten aber beide Boote mit Neuwieder Beteiligung um Ihren Platz kämpfen.
Der Ludwigshafener Riemenvierer rückte Platz um Platz vor und war an zweiter Postition mit abnehmendem Abstand zur führenden Renngemeinschaft Koblenz/Neuwied. Die NRG-Mannschaft lag in der Schweinebucht wenige Minuten vor einem Vierer der Genfer Gastgeber.

Vorbei an Yvoire ging es zurück in den Genfer Schlauch. 23 km noch, das sollte eigentlich kein Problem sein aber auf diese Stück ist es dunkel, es gibt wenig markante Lichter und es zieht und zieht sich. Mit einem Verfolger im Nacken muss man auch die Wechsel noch schnell ausführen; alle wünschen sich Genf herbei.

Endlich, erst hinter der letzten Landzunge sieht man die hell erleuchtete Stadt, das Ziel ist zum Greifen nahe und jetzt sind es auch nur noch 5 km, die allerletzten Reserven werden mobilisiert.

Ein helles weißes Blinklicht vorm Hafen der Société Nautique de Genève begrenzt die Ziellinie. Die Renngemeinschaft Koblenz/Neuwied gewinnt in einer Zeit von 13h14min. Drei Minuten später läuft der Ludwigshagfener Riemenvierer als zweites Boot ein und noch mal fünf Minuten später eine Mixed-Mannschaft aus Karlsruhe/Bonn/Breisbach/Budapest. Auch danach ist das Verfolgerfeld noch eng. Das NRG-Team konnte den siebten Platz auf den verteidigen und kommt nach 14h10min in Genf an, eine sehr gute Zeit und eine gute Platzierung für unsere Mannschaft.

Völlig geschafft kriechen die Ruderer aus dem Boot. Endlich wieder an Land. Jetzt noch das Boot raus; zum Glück gibt's Unterstützung. Nichts wie unter die warme Dusche.
Danach geht es schon wieder etwas besser. Der Genfer Verein spendiert ein Nachtessen: Suppe und Spaghetti. Holger, Volker, Jan, Nico und Watz stoßen auf das erfolgreiche Rennen an. Nach vielen Bieren und langem Feiern ist aber keinem. Alle wollen schnell zurück in den Bunker.
Das Geschnarche vom Bett nebenan stört in dieser Nacht nicht mehr, selten kann man so gut schlafen wie nach einer Seeumrundung.

Am nächsten Morgen gegen gegen Neun, eigentlich viel zu früh, kehrt Leben in den Bunker zurück. Um 12h ist die Siegerehrung und bis dahin hat man die Boote am besten verladen. Dennoch geht es ruhig zu.
Da bei der NRG nur Profis am Werk sind, ist das, was man am Freitag in einem halben Tag aufgebaut hat in weniger als einer halben Stunde wieder beseitigt: Abdeckungen und Pumpen abbauen, verpacken und verladen, Klebebänder entfernen, abriggern, Skulls Böcke und zuletzt das Boot verladen, alles läuft wie geschmiert.


Großen Applaus und eine ZInnkanne gibt es für das Sieger aus Koblenz und Neuwied mit André von der NRG. Aber auch die anderen Mannschaften werden fleißig beklatscht.


Den Genfer See an einem Stück zu umrudern ist auf jeden Fall eine beachtliche Leistung. Die Zinnbecher, die jeder Ruderer erhält, der ins Ziel kommt, ist eine hart erarbeitete und sehr begehrte Trophäe. Das NRG-Team hat eine klasse Zeit und ein guten Platz errudert.

2003 steht hoffentlich mal wieder eine Zeit mit einer 13 am Anfang auf dem Programm.


ZIELEINLAUF 2002:

1) RGM Koblenz/Neuwied 13h14
2) Luwigshafener RV 13h17
3) RGM Karlsruhe/Bonn/Breisbach/Budapest 13h22
4) C.N Charleville-Mezières 13h38
5) A.S Crédit foncier de France 13h46
6) C.A. Thonon 14h05
7) Neuwieder Ruder-Gesellschaft 1883 14h10
8) Société Nautique de Genève 14h11
9) Düsseldorfer Ruderverein 14h39
10) ASUL Aviron Lyon 1 15h15
11) E.R.V. Beatrix 15h30
12) Bamberger Rudergesellschaft 15h57
13) Koelner Rudergesellschaft 16h14
14) C.A. Vevey 16h44
15) R.V. Nautilus 16h46
16) R.V. Paedagogium Godesberg 16h52
17) RGM Bremer RV/RG Wiesbaden-Biebrich 17h21
18) ASUL Aviron Lyon 2 17h42
19) C.A. Lyon 17h57










Internet-Links:
 
Club Nautique Genf
Bilderspecial Genf 2002

 

 

 










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