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NRG Frühstücksvierer
mit dem Hippebock auf der Mosel



(Bericht von Rolf Petry, Fotos von Heinz Benzenberg)

 

Neuwied, 21.06.2002









Der Der Begriff AH (Alte Herren) sollte eigentlich genauer definiert werden. Wann ist man ein alter Herr? Über den Daumen gepeilt würde ich sagen, wenn jemand schon etwas Graues an den Schläfen hat.


 

 

 

 

 

 

 

Die Meinungen gehen aber sicher weit auseinander. Wenn wir Ruderer aber eine AH-Tour (eine alte Herren Wanderfahrt) machen, sind wir mitunter froh, wenn Ruderer auch ohne diesen Altersschmuck dabei sind. Ich gebe zu, daß da auch egoistische Gründe mitspielen.
Um so erstaunlicher ist es aber, wenn das Durchschnittsalter der Herren, die sich unterfangen eine Wanderfahrt von 240 Km zu unternehmen, um die 70 Jahre liegt Es bleibt da einfach nicht aus daß das eine oder andere Zipperlein sich bemerkbar macht.

Der Frühstücksvierer, seit über 40 Jahren besteht diese Institution. Jeden Samstag um 7 Uhr Treffen am Bootshaus, das ganze Jahr über. Im Winter, je nach Tageslicht auch erst um ½ 8. Gerudert wird bis zum Yachthafen und zurück um die Insel. Anschließend geht es zum gemeinsamen Frühstück in der Altstadt zum Cafe Somnitz. Daher der Name "Frühstücksvierer".

Jedes Jahr gibt es auch eine Wanderfahrt. Auf allen deutschen Gewässern und auch im nahen Ausland, wie die Schweizer Seen, in Frankreich die Loire oder in England die Themse, frönten sie ihren Hobby. In diesem Jahr wollten wir uns das Booteschleppen schenken und unternahmen eine Fahrt mit einer Barke.
840 Jahre brachten wir 12 Mann auf die Rollsitze, das entspricht exakt einem Durchschnittsalter von 70 Jahren. Bei der Barke "Hippebock" des WSV Porz, die wir gemietet hatten, handelt es sich um ein ganz besonderes Schiff. Als Kielbarke, gebaut wie ein Wickingerschiff, kann sie auf dem Rhein problemlos gefahren werden. 10,50 m lang 2,25 breit mit einem Mittelgang und Staukästen innen und außen. Die 8 Ruderer sitzen 4 auf jeder Seite, auf dem Steuersitz und im Vorschiff haben je 2 bis 3 Mann Platz. Ich bin schon mehrmals mit dem Boot gefahren und es hat mir so gut gefallen, daß ich spontan dem Förderkreis beigetreten bin.

Es gelang mir die Barke für die Zeit zwischen 15. und 22 Juni zu chartern. Die Organisation übernahm Richard Lang. Bis vor wenigen Jahren wurde grundsätzlich auf Campingplätzen gezeltet. In die Jahre gekommen, kombinierte man Zelte und Wohnwagen. Seit zwei Jahren bevorzugen wir nun die Kombination Wohnwagen und Hotel. Das hat natürlich auch Nachteile, aber durch diesen Kompromiss kommt immer wieder eine Wanderfahrt zustande. Die mitgeführten Handys erwiesen sich dabei als nützliche Hilfe, sofern sie empfangsbereit sind!

Johann Wilhelm und Heinz trafen sich schon Freitags in Bernkastel mit ihren Wohnwagen. Kalle zog es vor mit Heinz zu fahren, während ich es übernommen hatte mit dem Vereinsbus die Barke auf dem Langweg in Porz abzuholen und Dieter Frangenberg, den Chef der Barke, bei dieser Gelegenheit gleich mitzubringen.


Mit einem ausgezeichneten Frühstück auf der Terrasse des NRG Bootshauses begann dann die eigentliche Fahrt. Walter Schmitt, der zum ersten mal dabei war, ließ es sich nicht nehmen die Kosten für das Frühstück zu übernehmen. Weil die 10 Mann nicht alle in den VW Bus gehen, nimmt Schorsch seinem PKW mit. Über die A48 bis Wittlich, dann runter zur Mosel kommen wir gegen 11 Uhr an.
Inzwischen sind auch die Wohnwagenfahrer angekommen und gemeinsam bringen wir im Yachthafen von Neumagen über die Slipanlage die Barke leicht zu Wasser. Wein und genügend Mineralwasser sind gebunkert, denn es verspricht sehr heiß zu werden.

Es gibt nur eine Schleuse in Wintrich, die wir dank eines Talfahrers sofort passieren können. Vorher begrüße ich noch den Kilometerstein 142, an dem ich 1994 die 40077 Km für meinen Äquatorpreis vollendet hatte.
Der Versuch, gute Fahrt mit Hilfe des Segels zu machen scheiterte an den vielen Moselschleifen. Die Segelmannschaft Walter Schmitt und Kalle Müller versuchten es immer wieder, aber jedesmal wenn das Segel oben war, kam der Wind von der falschen Seite. Wir erreichten aber trotzdem nach etwa drei Stunden Fahrt den Yachthafen von Bernkastel, wo wir am Steg festmachten.





Die Wirtin in der schwimmenden Kneipe kam mit dem Bierzapfen kaum noch nach. Unser Hotel "Kölchens" befand sich hoch oben über Bernkastel. Es war gut und preiswert, leider aber zu weit getrennt von den Wohnwagenschläfern.

Auf der zweiten Etappe zum Yachthafen von Traben Trabach bestanden wir den Härtetest. Die Sonne brannte erbarmungslos vom wolkenfreien Himmel. Manch einer täuschte einen Schwächeanfall vor, nicht etwa weil es ihm wirklich schlecht ging, nein es war nur der Vorwand für eine Trinkpause. Wenn man jedoch bedenkt, daß die alten Herren mit einem Durchschnittsalter von 70 Jahren verständlicher Weise auch so manches Zipperlein mit sich schleppten, dann haben sie sich doch tapfer geschlagen.
Ohne Nennung von Namen gab es an Bord Herren mit Bandscheibenschäden, Herzrhythmusstörungen, Kriegsverletzungen, Diabetiker, Sehbehinderte, Schwerhörige, Sonnenallergie, Übergewicht und Knieproblemen.
Im Vorfeld wollte ich schon eine Rote Kreuzfahne mitnehmen und den Hippebock als Lazarettschiff umfunktionieren. Nichts dergleichen war notwendig. Alle ertrugen die Strapazen der Hitze ohne Murren.


 

 

 

Am nächsten Tag, dem Montag, war zunächst Quartierwechsel angesagt, mit allen Fahrzeugen, Wohnwagen und Hänger nach Senheim. Trotzdem waren wir um die Mittagszeit auf dem Wasser.
Am Steg des RV Zell legen wir zur Mittagsrast an. Als zwischen Reil und Pünderich ein Zug im Tunnel nach Bullay verschwindet, kommt zum x-ten mal der Vorschlag über den Berg umtragen, um die 12 Km des Zeller Hams zu sparen. Es sind doch nur 200 m. Haha haha, der Witz hat nun wirklich schon einen langen Bart.
In Alf machen wir im Hafen des Wasser und Schiffahrtamtes fest. In Senheim finden wir das Quartier in der Bäckerei Stenz wunderbar. Frau Stenz bietet uns gleich an, unsere verschwitzten T Shirts zu waschen, was wir natürlich gerne annehmen. Die Zimmer sind gut und preiswert und können guten Gewissens weiter empfohlen werden.
Die längste Etappe steht uns am Dienstag bevor. Es ist mit 39° auch der heißeste Tag und es sind Gewitter möglich. Ohne Pause können wir nach einem Talfahrer in die Schleuse St. Aldegund einfahren.
Der Steg für Wanderruderer in Eller ermöglicht uns eine Pause einzulegen und einen Manschaftswechsel vorzunehmen. Fränzchen unser Sehbehinderter besteht aber darauf weiter zu rudern. Er ist zwar auf unsere Hilfe angewiesen, aber das hat noch immer mit der größten Selbstverständlichkeit geklappt.

Freundliche Camper erlauben uns an einem Privatsteg in Poltersdorf anzulegen. Im Restaurant des Campingplatzes stärken wir uns mit einem kohlehydratreichen Mittagsmahl. Im Schatten der Bäume versuchen wir die größte Hitze zu verschlafen. Ich glaube, wir hätten schon bis zum Abend warten müssen, denn als wir die ersten Schläge nach dem Ablegen gemacht hatten, lief uns wieder der Schweiß und wir waren froh, als wir in der Schleuse Fankel auf der Schattenseite lagen.
Auf den letzten acht Km bis zum Hafen von Cochem passierten wir die Regattastrecke, auf der wir vor 50 Jahren so manchen Schweißtropfen lassen mussten. Wir fanden im Hafen noch ein winziges Plätzchen, das gerade noch für die Barke reichte.


Johann Wilhelm hat wieder einmal Geburtstag. Ob er die Wanderfahrt immer in die Zeit seines Geburtstages absichtlich legt, konnte nicht ermittelt werden.
Jedenfalls ließ er sich nicht lumpen und spendierte reichlich Wein. Wir konnten aber auch mit einem entsprechenden Geschenk aus einem renommierten Weingut aufwarten, empfahlen aber mit dem Öffnen der Flaschen noch einige Wochen zu warten, obwohl einige dafür gar kein Verständnis hatten. Übrigens hat niemand die Telefonate gezählt, die er an diesem Tag mit seinem Handy empfing.

Apropos Handy. Wir hatten ca. 7 Handys dabei und wir waren sicher, daß es keine Probleme zwischen Landdienst und Boot geben konnte. Davon konnten wir uns aber nur teilweise überzeugen lassen. Manchmal waren sie nicht aktiviert, manchmal waren sie nicht zu finden , denn sie lagen tief verborgen im Rudersack oder gar im Reisegepäck in einem Kofferraum. Früher, als es diese Errungenschaften noch nicht gab, kannten wir solche Probleme nicht.

Mittwoch der 19.Juni. Die zweite Nacht in Senheim haben alle gut geschlafen und ausgeruht fahren wir zum Boot. Heute soll es bis Lehmen gehen. Wir verlassen den Hafen von Cochem um 10 Uhr. Wetter, wie immer, deshalb bemühen wir uns Land zu gewinnen, bevor die große Mittagshitze einsetzt. Bei Km 44 legten wir eine Gedenkminute ein. Hier haben wir in den 50er und 60er Jahren am rechten Moselufer oft gezeltet. Dabei werden einige Anekdötchen aufgewärmt.


In Treis legen wir kurz zum Mannschaftswechsel an. Dieter telefoniert mit der Schleuse Müden und erfährt, daß wir in ca. ½ Stunde nach einem Talfahrer einfahren dürfen. Einige benutzen die Gelegenheit um Dünnsäure zu verklappen, während Walter Schmitt im Adamskostüm ein Bad im Schleusenkanal nimmt. Nach der Schleusung fließt die Mosel wieder etwas schneller und um 13 Uhr machen wir im Hafen von Burgen fest. Der Landdienst erwartet uns schon.

Auf der Terrasse des Gasthauses am Campingplatz tun wir etwas für unser leibliches Wohl. Nach einem Eis, das Walter Schmitt spendierte, ruhen wir uns noch eine Weile auf der Wiese am Moselufer aus. Die letzten 10 Km bei 35° Hitze zogen sich dahin, aber mit lebhaft kommentierten Erinnerungen, die an jeder Ecke auftauchten, verkürzten wir uns die Zeit. Leicht lädiert erreichten wir einen kleinen Naturhafen bei Km 22 gegenüber von Lehmen vor der Schleuse. Wegen einer Gewitterwarnung machten wir den Hippebock besonders gut fest. Walter Schmitt schleppte eine Eisenstange und einen Vorschlaghammer an und versenkte die Eisenstange sicher einen Meter in den harten Boden. Das hätte auch für ein Kriegsschiff als Verankerung gereicht.

Für die Rückfahrt ins Hotel nahmen wir ab Treis die Abkürzung über den Berg nach Bruttig. Weil es uns am Vorabend im Hafenrestaurant Senheim so gut gefallen hat, treffen wir uns zum Abendessen wieder hier auf der Terrasse.

Am anderen Morgen steht wieder Quartierwechsel an. Frau Stenz hat für jeden belegte Brötchen zum mitnehmen gemacht, weil wir keine Zeit haben werden zum Mittagessen irgendwo anzulegen.
Bei der Schleuse Lehmen haben wir wieder Glückt und werden sofort hinter einem Talfahrer mitgenommen.
Bei der Rhenenia in Koblenz verlässt uns Fränzchen. Richard, der den Bootswagen inzwischen schon am Bootshaus der NRG abgestellt hat, fährt ihn nach Hause. Die Schleuse Koblenz passieren wir, gegen Bezahlung allein, weil wir nicht warten wollen, bis ein Talfahrer kommt.


Am Deutschen Eck salutieren wir vor dem Reiterdenkmal und begrüßen den Rhein mit einem dreifachen Hipp Hipp Hurra.
Der Hippebock ist speziell für den Rhein gebaut und nimmt am liebsten die Wellen frontal. Wir bekommen auch keinen Spritzer ins Boot und erreichen den Yachthafen des MYC Neuwied am späten Nachmittag. Der Hafenmeister zeigt uns einen Platz an einem Längssteg, an dem wir für die Nacht festmachen. Ein Hotel brauchen wir ja nicht, da jeder im eigenen Bett schläft.

Dieter hat schon zu Beginn der Fahrt bei mir übernachtet und ist auch für die nächsten beiden Nächte mein Gast. Am Abend trafen wir uns im NRG Bootshaus. Ich brachte einen alten Film von einer Moselwanderfahrt in den 50er Jahren mit, den wir uns im Stübchen ansahen. Die Bemerkungen darüber, wie wir uns in 50 Jahren verändert hatten, kann sich wohl jeder denken.

Am Freitag dem 21.Juni treffen wir uns um 9 Uhr im Hafen. Die Fahrt nach Honnef verläuft problemlos, ist ja auch unsere Hausstrecke. Gegen Mittag machen wir in Oberwinter am Pannekuchenschiff fest. Der Waldbeerpfannkuchen mit Eis, Eierlikör und Sahne, den ich mir bestellte, war hervorragend. Aber dem Koch muß die Flasche umgekippt sein, denn der Inhalt war reichlich auf meinem Pfannkuchen.
Ab und zu gingen wir zum Fernsehapparat und sahen uns das WM Fußballspiel gegen Korea an. Das war aber nicht auszuhalten, denn die Zuschauer im Raum machten mehr Lärm als die im Stadion. Das Festmachen in Honnef erschwerte sich dadurch, weil Kalle und Johann Wilhelm die Bugleine nicht über den Stacheldraht des Törchens bekamen. Schließlich gelang es doch und die Barke lag fest an einem Steg.

Die Rückfahrt nach Neuwied ging mit dem Zug. Walter Rohde hatte am Vorabend den Bus am Bahnhof abgestellt, so daß alle in ihre Quartiere gekarrt werden konnten. Abends trafen wir uns alle im Bootshaus, wo wir gemeinsam das alljährliche Gründungsfest der NRG feierten.


Die letzte Etappe nach Porz fand ohne mich statt, weil ich den Landdienst übernommen hatte. Ich brachte den Hänger mit dem Bus nach Porz, wo ich wieder die obligatorischen Schwierigkeiten hatte das Bootshaus zu finden. Den Bus ließ ich für die Mannschaft dort, denn Richard, der mit seinem Wagen mitfuhr, nahm mich anschließend mit zurück nach Neuwied.


Bericht: Rolf Petry
Fotos: Heinz Benzenberg


 

 

 



 




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