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NRG Frühstücksvierer
mit dem Hippebock
auf der Mosel

(Bericht von Rolf Petry, Fotos von Heinz Benzenberg)
Der Der Begriff
AH (Alte Herren) sollte eigentlich genauer definiert werden. Wann ist
man ein alter Herr? Über den Daumen gepeilt würde ich sagen, wenn jemand
schon etwas Graues an den Schläfen hat.
Die Meinungen
gehen aber sicher weit auseinander. Wenn wir Ruderer aber eine AH-Tour
(eine alte Herren Wanderfahrt) machen, sind wir mitunter froh, wenn Ruderer
auch ohne diesen Altersschmuck dabei sind. Ich gebe zu, daß da auch egoistische
Gründe mitspielen.
Um so erstaunlicher ist es aber, wenn das Durchschnittsalter der Herren,
die sich unterfangen eine Wanderfahrt von 240 Km zu unternehmen, um die
70 Jahre liegt Es bleibt da einfach nicht aus daß das eine oder andere
Zipperlein sich bemerkbar macht.
Der Frühstücksvierer,
seit über 40 Jahren besteht diese Institution. Jeden Samstag um 7 Uhr
Treffen am Bootshaus, das ganze Jahr über. Im Winter, je nach Tageslicht
auch erst um ½ 8. Gerudert wird bis zum Yachthafen und zurück um die Insel.
Anschließend geht es zum gemeinsamen Frühstück in der Altstadt zum Cafe
Somnitz. Daher der Name "Frühstücksvierer".
Jedes Jahr gibt es auch eine Wanderfahrt. Auf allen deutschen Gewässern
und auch im nahen Ausland, wie die Schweizer Seen, in Frankreich die Loire
oder in England die Themse, frönten sie ihren Hobby. In diesem Jahr wollten
wir uns das Booteschleppen schenken und unternahmen eine Fahrt mit einer
Barke.
840 Jahre brachten wir 12 Mann auf die Rollsitze, das entspricht exakt
einem Durchschnittsalter von 70 Jahren. Bei der Barke "Hippebock" des
WSV Porz, die wir gemietet hatten, handelt es sich um ein ganz besonderes
Schiff. Als Kielbarke, gebaut wie ein Wickingerschiff, kann sie auf dem
Rhein problemlos gefahren werden. 10,50 m lang 2,25 breit mit einem Mittelgang
und Staukästen innen und außen. Die 8 Ruderer sitzen 4 auf jeder Seite,
auf dem Steuersitz und im Vorschiff haben je 2 bis 3 Mann Platz. Ich bin
schon mehrmals mit dem Boot gefahren und es hat mir so gut gefallen, daß
ich spontan dem Förderkreis beigetreten bin.
Es gelang mir die Barke für die Zeit zwischen 15. und 22 Juni zu chartern.
Die Organisation übernahm Richard Lang. Bis vor wenigen Jahren wurde grundsätzlich
auf Campingplätzen gezeltet. In die Jahre gekommen, kombinierte man Zelte
und Wohnwagen. Seit zwei Jahren bevorzugen wir nun die Kombination Wohnwagen
und Hotel. Das hat natürlich auch Nachteile, aber durch diesen Kompromiss
kommt immer wieder eine Wanderfahrt zustande. Die mitgeführten Handys
erwiesen sich dabei als nützliche Hilfe, sofern sie empfangsbereit sind!
Johann Wilhelm und Heinz trafen sich schon Freitags in Bernkastel mit
ihren Wohnwagen. Kalle zog es vor mit Heinz zu fahren, während ich es
übernommen hatte mit dem Vereinsbus die Barke auf dem Langweg in Porz
abzuholen und Dieter Frangenberg, den Chef der Barke, bei dieser Gelegenheit
gleich mitzubringen.
Mit einem ausgezeichneten Frühstück auf der Terrasse des NRG Bootshauses
begann dann die eigentliche Fahrt. Walter Schmitt, der zum ersten mal
dabei war, ließ es sich nicht nehmen die Kosten für das Frühstück zu übernehmen.
Weil die 10 Mann nicht alle in den VW Bus gehen, nimmt Schorsch seinem
PKW mit. Über die A48 bis Wittlich, dann runter zur Mosel kommen wir gegen
11 Uhr an.
Inzwischen sind auch die Wohnwagenfahrer angekommen und gemeinsam bringen
wir im Yachthafen von Neumagen über die Slipanlage die Barke leicht zu
Wasser. Wein und genügend Mineralwasser sind gebunkert, denn es verspricht
sehr heiß zu werden.
Es gibt nur eine Schleuse in Wintrich, die wir dank eines Talfahrers sofort
passieren können. Vorher begrüße ich noch den Kilometerstein 142, an dem
ich 1994 die 40077 Km für meinen Äquatorpreis vollendet hatte.
Der Versuch, gute Fahrt mit Hilfe des Segels zu machen scheiterte an den
vielen Moselschleifen. Die Segelmannschaft Walter Schmitt und Kalle Müller
versuchten es immer wieder, aber jedesmal wenn das Segel oben war, kam
der Wind von der falschen Seite. Wir erreichten aber trotzdem nach etwa
drei Stunden Fahrt den Yachthafen von Bernkastel, wo wir am Steg festmachten.
Die Wirtin in der schwimmenden Kneipe kam mit dem Bierzapfen kaum noch
nach. Unser Hotel "Kölchens" befand sich hoch oben über Bernkastel. Es
war gut und preiswert, leider aber zu weit getrennt von den Wohnwagenschläfern.
Auf der zweiten Etappe zum Yachthafen von Traben Trabach bestanden wir
den Härtetest. Die Sonne brannte erbarmungslos vom wolkenfreien Himmel.
Manch einer täuschte einen Schwächeanfall vor, nicht etwa weil es ihm
wirklich schlecht ging, nein es war nur der Vorwand für eine Trinkpause.
Wenn man jedoch bedenkt, daß die alten Herren mit einem Durchschnittsalter
von 70 Jahren verständlicher Weise auch so manches Zipperlein mit sich
schleppten, dann haben sie sich doch tapfer geschlagen.
Ohne Nennung von Namen gab es an Bord Herren mit Bandscheibenschäden,
Herzrhythmusstörungen, Kriegsverletzungen, Diabetiker, Sehbehinderte,
Schwerhörige, Sonnenallergie, Übergewicht und Knieproblemen.
Im Vorfeld wollte ich schon eine Rote Kreuzfahne mitnehmen und den Hippebock
als Lazarettschiff umfunktionieren. Nichts dergleichen war notwendig.
Alle ertrugen die Strapazen der Hitze ohne Murren.
Am nächsten
Tag, dem Montag, war zunächst Quartierwechsel angesagt, mit allen Fahrzeugen,
Wohnwagen und Hänger nach Senheim. Trotzdem waren wir um die Mittagszeit
auf dem Wasser.
Am Steg des RV Zell legen wir zur Mittagsrast an. Als zwischen Reil und
Pünderich ein Zug im Tunnel nach Bullay verschwindet, kommt zum x-ten
mal der Vorschlag über den Berg umtragen, um die 12 Km des Zeller Hams
zu sparen. Es sind doch nur 200 m. Haha haha, der Witz hat nun wirklich
schon einen langen Bart.
In Alf machen wir im Hafen des Wasser und Schiffahrtamtes fest. In Senheim
finden wir das Quartier in der Bäckerei Stenz wunderbar. Frau Stenz bietet
uns gleich an, unsere verschwitzten T Shirts zu waschen, was wir natürlich
gerne annehmen. Die Zimmer sind gut und preiswert und können guten Gewissens
weiter empfohlen werden.
Die längste Etappe steht uns am Dienstag bevor. Es ist mit 39° auch der
heißeste Tag und es sind Gewitter möglich. Ohne Pause können wir nach
einem Talfahrer in die Schleuse St. Aldegund einfahren.
Der Steg für Wanderruderer in Eller ermöglicht uns eine Pause einzulegen
und einen Manschaftswechsel vorzunehmen. Fränzchen unser Sehbehinderter
besteht aber darauf weiter zu rudern. Er ist zwar auf unsere Hilfe angewiesen,
aber das hat noch immer mit der größten Selbstverständlichkeit geklappt.
Freundliche Camper erlauben uns an einem Privatsteg in Poltersdorf anzulegen.
Im Restaurant des Campingplatzes stärken wir uns mit einem kohlehydratreichen
Mittagsmahl. Im Schatten der Bäume versuchen wir die größte Hitze zu verschlafen.
Ich glaube, wir hätten schon bis zum Abend warten müssen, denn als wir
die ersten Schläge nach dem Ablegen gemacht hatten, lief uns wieder der
Schweiß und wir waren froh, als wir in der Schleuse Fankel auf der Schattenseite
lagen.
Auf den letzten acht Km bis zum Hafen von Cochem passierten wir die Regattastrecke,
auf der wir vor 50 Jahren so manchen Schweißtropfen lassen mussten. Wir
fanden im Hafen noch ein winziges Plätzchen, das gerade noch für die Barke
reichte.
Johann Wilhelm hat wieder einmal Geburtstag. Ob er die Wanderfahrt immer
in die Zeit seines Geburtstages absichtlich legt, konnte nicht ermittelt
werden.
Jedenfalls ließ er sich nicht lumpen und spendierte reichlich Wein. Wir
konnten aber auch mit einem entsprechenden Geschenk aus einem renommierten
Weingut aufwarten, empfahlen aber mit dem Öffnen der Flaschen noch einige
Wochen zu warten, obwohl einige dafür gar kein Verständnis hatten. Übrigens
hat niemand die Telefonate gezählt, die er an diesem Tag mit seinem Handy
empfing.
Apropos Handy. Wir hatten ca. 7 Handys dabei und wir waren sicher, daß
es keine Probleme zwischen Landdienst und Boot geben konnte. Davon konnten
wir uns aber nur teilweise überzeugen lassen. Manchmal waren sie nicht
aktiviert, manchmal waren sie nicht zu finden , denn sie lagen tief verborgen
im Rudersack oder gar im Reisegepäck in einem Kofferraum. Früher, als
es diese Errungenschaften noch nicht gab, kannten wir solche Probleme
nicht.
Mittwoch der 19.Juni. Die zweite Nacht in Senheim haben alle gut geschlafen
und ausgeruht fahren wir zum Boot. Heute soll es bis Lehmen gehen. Wir
verlassen den Hafen von Cochem um 10 Uhr. Wetter, wie immer, deshalb bemühen
wir uns Land zu gewinnen, bevor die große Mittagshitze einsetzt. Bei Km
44 legten wir eine Gedenkminute ein. Hier haben wir in den 50er und 60er
Jahren am rechten Moselufer oft gezeltet. Dabei werden einige Anekdötchen
aufgewärmt.
In Treis legen wir kurz zum Mannschaftswechsel an. Dieter telefoniert
mit der Schleuse Müden und erfährt, daß wir in ca. ½ Stunde nach einem
Talfahrer einfahren dürfen. Einige benutzen die Gelegenheit um Dünnsäure
zu verklappen, während Walter Schmitt im Adamskostüm ein Bad im Schleusenkanal
nimmt. Nach der Schleusung fließt die Mosel wieder etwas schneller und
um 13 Uhr machen wir im Hafen von Burgen fest. Der Landdienst erwartet
uns schon.
Auf der Terrasse des Gasthauses am Campingplatz tun wir etwas für unser
leibliches Wohl. Nach einem Eis, das Walter Schmitt spendierte, ruhen
wir uns noch eine Weile auf der Wiese am Moselufer aus. Die letzten 10
Km bei 35° Hitze zogen sich dahin, aber mit lebhaft kommentierten Erinnerungen,
die an jeder Ecke auftauchten, verkürzten wir uns die Zeit. Leicht lädiert
erreichten wir einen kleinen Naturhafen bei Km 22 gegenüber von Lehmen
vor der Schleuse. Wegen einer Gewitterwarnung machten wir den Hippebock
besonders gut fest. Walter Schmitt schleppte eine Eisenstange und einen
Vorschlaghammer an und versenkte die Eisenstange sicher einen Meter in
den harten Boden. Das hätte auch für ein Kriegsschiff als Verankerung
gereicht.
Für die Rückfahrt ins Hotel nahmen wir ab Treis die Abkürzung über den
Berg nach Bruttig. Weil es uns am Vorabend im Hafenrestaurant Senheim
so gut gefallen hat, treffen wir uns zum Abendessen wieder hier auf der
Terrasse.
Am anderen Morgen steht wieder Quartierwechsel an. Frau Stenz hat für
jeden belegte Brötchen zum mitnehmen gemacht, weil wir keine Zeit haben
werden zum Mittagessen irgendwo anzulegen.
Bei der Schleuse Lehmen haben wir wieder Glückt und werden sofort hinter
einem Talfahrer mitgenommen.
Bei der Rhenenia in Koblenz verlässt uns Fränzchen. Richard, der den Bootswagen
inzwischen schon am Bootshaus der NRG abgestellt hat, fährt ihn nach Hause.
Die Schleuse Koblenz passieren wir, gegen Bezahlung allein, weil wir nicht
warten wollen, bis ein Talfahrer kommt.
Am Deutschen Eck salutieren wir vor dem Reiterdenkmal und begrüßen den
Rhein mit einem dreifachen Hipp Hipp Hurra.
Der Hippebock ist speziell für den Rhein gebaut und nimmt am liebsten
die Wellen frontal. Wir bekommen auch keinen Spritzer ins Boot und erreichen
den Yachthafen des MYC Neuwied am späten Nachmittag. Der Hafenmeister
zeigt uns einen Platz an einem Längssteg, an dem wir für die Nacht festmachen.
Ein Hotel brauchen wir ja nicht, da jeder im eigenen Bett schläft.
Dieter hat schon zu Beginn der Fahrt bei mir übernachtet und ist auch
für die nächsten beiden Nächte mein Gast. Am Abend trafen wir uns im NRG
Bootshaus. Ich brachte einen alten Film von einer Moselwanderfahrt in
den 50er Jahren mit, den wir uns im Stübchen ansahen. Die Bemerkungen
darüber, wie wir uns in 50 Jahren verändert hatten, kann sich wohl jeder
denken.
Am Freitag dem 21.Juni treffen wir uns um 9 Uhr im Hafen. Die Fahrt nach
Honnef verläuft problemlos, ist ja auch unsere Hausstrecke. Gegen Mittag
machen wir in Oberwinter am Pannekuchenschiff fest. Der Waldbeerpfannkuchen
mit Eis, Eierlikör und Sahne, den ich mir bestellte, war hervorragend.
Aber dem Koch muß die Flasche umgekippt sein, denn der Inhalt war reichlich
auf meinem Pfannkuchen.
Ab und zu gingen wir zum Fernsehapparat und sahen uns das WM Fußballspiel
gegen Korea an. Das war aber nicht auszuhalten, denn die Zuschauer im
Raum machten mehr Lärm als die im Stadion. Das Festmachen in Honnef erschwerte
sich dadurch, weil Kalle und Johann Wilhelm die Bugleine nicht über den
Stacheldraht des Törchens bekamen. Schließlich gelang es doch und die
Barke lag fest an einem Steg.
Die Rückfahrt nach Neuwied ging mit dem Zug. Walter Rohde hatte am Vorabend
den Bus am Bahnhof abgestellt, so daß alle in ihre Quartiere gekarrt werden
konnten. Abends trafen wir uns alle im Bootshaus, wo wir gemeinsam das
alljährliche Gründungsfest der NRG feierten.
Die letzte Etappe nach Porz fand ohne mich statt, weil ich den Landdienst
übernommen hatte. Ich brachte den Hänger mit dem Bus nach Porz, wo ich
wieder die obligatorischen Schwierigkeiten hatte das Bootshaus zu finden.
Den Bus ließ ich für die Mannschaft dort, denn Richard, der mit seinem
Wagen mitfuhr, nahm mich anschließend mit zurück nach Neuwied.
Bericht: Rolf Petry
Fotos: Heinz Benzenberg
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