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Der See hat magische Kräfte:
(von Achim Burgard)
Nur
neun Mannschaften traten dieses Jahr in Genf an, um die 160 Kilometer
um den See zu rudern, was uns vor dem Start schon zu Witzen verleitete
wie "Unter die ersten Zehn kommen wir dieses Jahr auf jeden Fall"...
Trotz
Regen in halb Europa präsentierte sich der See an diesem Samstag sonnig
und warm bei 25 Grad C und es sah nach dem Start um 9.00 Uhr auch ganz
gut für uns aus.
Wir sind in einer Dreiergruppe vor dem Feld hergefahren, waren kurzzeitig
Zweiter und ein Funken Hoffnung in uns vielleicht sogar einmal zu gewinnen,
denn Dauergewinner "Turbo Bonn" war dieses Jahr nicht dabei und auch keine
andere schnelle Mannschaft.
Aber wir mussten unsere Hoffnung bald begraben. Die Ludwigshafener, die
am Ende einen Start-Ziel-Sieg fuhren, gaben richtig Gas und zogen weg.
Die Düsseldorfer als Zweiter hinterher. Stunden später mussten wir die
Kölner vorbeilassen und auch noch ein einheimisches Boot aus Genf.
Wir waren schon bei Lausanne, als uns auch noch ein Team aus Turin im
Zweikampf besiegte; mit einem 70-jährigen, aber sehr fitten Mann wie sich
später zeigte an Bord. Danach war Ruhe und man konnte hinter uns bis zum
Horizont nichts mehr sehen.
Es ging am schönen Montreux vorbei nach Villeneuve, Halbzeit nach fast
acht Stunden und 80 Kilometern um 17.00 Uhr. Wir haben einen schönen Panoramablick
auf die Viertausender der Alpen als wir um die im See auf einer winzigen
Insel stehende riesige Eiche umfahren, die die Hälfte markiert.
Von nun an gehts zurück. Hoffnung auf das Ende keimt auf. Jeder rechnet
für sich, wie lange es noch dauert, wie oft er nochmal für eine halbe
Stunde steuern darf und sich ein bisschen erholen kann für die zweite
Hälfte.
Noch acht Stunden bis man aus diesem Boot wieder raus kann. Langsam tut
es überall weh, aber es kommt noch schlimmer. Jeder im Boot weiß das und
so kam es.
Es wurde langsam Nacht, als wir in die Schweinebucht einfuhren. Woher
der Name genau kommt weiß niemand, aber wer im Dunkeln schon einmal durchgerudert
ist, kann es sich denken. Eine ausgesprochen finstere Ecke. Am Ende der
Schweinebucht sind es nur noch cirka zwei Stunden. Es geht schon lange
nicht mehr darum, jemanden einzuholen, nur noch ankommen ist das Ziel.
Schon kann man die Lichter von Genf sehen. Wissen, daß es noch eine
Stunde dauert. Aber es ging vorbei. Weit nach Mitternacht erlöste uns
das Signalhorn am Genfer Yachthafen.
"Nie wieder Genf!", das denkt jeder und doch, nächstes Jahr im September
sind wir wieder hier, wie immer.
Der See hat eben magische Kräfte.
Die Mannschaft:
Andreas Laser, Achim Burgard, Volker Loose, Marcus Bretschneider und Nico
Federmann vom Ruderclub Germania Düsseldorf .
Regattaergebnis:
1. Ludwigshafen/ Mülheim 12:53 Stunden
2. Genf 13:22 Stunden
3. Düsseldorf 14:09 Stunden
4. Köln 15:05 Stunden
5. Turin 15:43 Stunden
6. Neuwied 15:48 Stunden
7. Bremen 16:17 Stunden
8. Uni Tübingen 16:55 Stunden
9. Vevey 17:39 Stunden
Info:
Regattarekord aus dem Jahr 2000:
Turbo Bonn 11:58 Stunden
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