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"Wir hatten uns zwar einen Rang unter den ersten
fünf im Auge" berichtet Robby Zitzmann, "doch der Platz ganz
oben auf dem Treppchen war dann doch angesichts der starken Konkurrenz
mit 27 Teams aus ganz Europa schon so etwas wie eine kleine Sensation".
Für die 160 Kilometer lange Strecke rund um den Geenfer See im Vierer
mit Steuermann benötigte seine Mannschaft 13 Stunden und 15 Min., und
war damit nur hauchdünne 5 Minuten vor der Mannschaft "Dynamix Bonn"
im Ziel eingelaufen.
Andauernder Regen, Wind von Stärke 5 bis 6 und damit schwierigstes Wasser
hatten zumindest auf der ersten Hälfte der Regattastrecke die ohnehin
schon harten Bedingungen zur wahren Tortur für die Ruderer werden lassen.
Die Neuwieder Crew mit Martin Klusch (31), Robby Zitzmann (19), Thomas
Schoenijahn (34), verstärkt durch die Karlsruher Olaf Behrend und Karl
Schneider ging dabei direkt vom Start in die Poole-Position und führte
von da an das Feld an.
"Unser Erzrivale Bonn ließ uns aber keine Minute aus dem Augen. Die
saßen uns Stunde um Stunde im Nacken und warteten auf ihre Gelegenheit"
weiß Martin Klusch zu berichten, der dieses Jahr zum neunten Mal in Genf
an den Start gegangen war. "Wenn wir kurz vor Schluss nicht noch
einmal Volldampf gemacht hätten, wären die vielleicht noch an uns vorbeigezogen".
Dabei denkt er sicherlich noch an die vielen Bord-an-Bord-Duelle vergangener
Jahre, als die Neuwieder gegen das legendäre "Turbo-Bonn"-Team
beim Zieleinlauf immer das Nachsehen hatten.
Angesichts der schlechten Wetterbedingungen war der Regattarekord von
12 Stunden und 15 Minuten aus dem Jahr 1995 (Turbo Bonn) jedenfalls zu
keinem Zeitpunkt in Gefahr.
Internationales Verständnis ist bei den Rudersportlern
selbstverständlich. Die Neuwieder Ruderer mußten nicht nur ihren eigenen
fast 11 m langen C-Vierer "Montreux" für die außergewöhnlichen
Bedingungen der Regatta spezialpräparieren, sondern dachten nebenher auch
noch kameradschaftlich an ihre ungarischen Ruderfreunde aus Budapest.
Diese hatten nämlich Schwierigkeiten, ihre Boote außer Landes zu bringen.
Die Koblenzer und Neuwieder Ruderer halfen selbstlos mit eigenem Bootsmaterial
aus und brachten drei zusätzliche Vierer mit nach Genf.
Trotz des Erfolges in Genf bleibt den NRG-Ruderern
keine große Zeit zum Ausruhen, denn die nächste Marathonregatta steht
an. "Wir wollen am 9. Oktober noch die traditionelle Rheinmarathonregatta
über 42,8 km von Leverkusen nach Düsseldorf bestreiten", gibt Martin
Klusch preis.
Ein erneuter Erfolg erscheint jedoch äußerst fraglich, denn die "kurze"
Distanz von weit unter 100 Kilometern verstärkt das Feld der Marathonruderer
zusätzlich mit konditionell starken Rennrudermannschaften, die sonst eigentlich
nur 2.000 m rudern. "Unser größter Trumpf des eisernen Willens kommt
da bei einer Ruderzeit von knapp über 2 Stunden nicht vollständig zur
Geltung. So hoffen wir auf unsere Erfahrung, unser gutes Bootsmaterial
und vor allem auch auf Fehler bei den anderen Teams bei hohem Wellengang
auf dem Rhein" beschreibt Robby Zitzmann zweckoptimistisch die Ausgangslage.
Die Wasser- und Wetterbedingungen werden sicherlich
mit ausschlaggebend sein, ob die Neuwieder Ruderer wieder ganz vorne mitmischen
werden. An der guten Stimmung fehlt es ihnen jedenfalls derzeit nicht.
25.09.1999/ rs
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